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Müller-Späth, J.

J. Müller-Späth wurde 1994 in Nordrhein-Westfalen geboren und lebt in Bonn. Sie arbeitet als Intensivpflegerin in der Heimbeatmung. Die Liebe zum Schreiben entdeckte sie schon in jungen Jahren und vor allem interessierte sie schon damals der Mensch als Thema in all seiner Tiefe und Individualität.
»Der Sündenbock« ist ihr Debüt und gleichzeitig die Erfüllung eines langersehnten Traumes.


Ein kurzes Interview mit der Autorin zum neuen Buch:

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?
Meine Liebe zum Schreiben habe ich im Deutschunterricht in der Mittelstufe gemerkt, als wir Kurzgeschichten schreiben mussten, die bei mir allerdings immer ein wenig ausgeartet sind. Einmal durfte ich meine »Hausaufgabe« vorlesen und füllte damit die ganze Schulstunde aus. Es war wie eine Art Flucht vom Alltag, Geschichten zu erfinden, Personen zum Leben zu erwecken und Kontrolle über die Handlung zu haben.
Ist dies Ihre erste Veröffentlichung?
Jein. Ich habe zuvor Kurzgeschichten veröffentlicht (auf YouTube und Sweek). Aber dies ist meine erste Buchveröffentlichung über einen Verlag.
Was waren Ihre Beweggründe, dieses Buch zu schreiben?
In dem Buch verarbeite ich Erlebnisse. Diese in eine erfundene Geschichte zu packen, machte es mir leichter Zugang zu mir selbst zu finden und einen neutralen Blick zu erlangen.
Gab es einen Antrieb aus dem Familien- oder Freundeskreis, das Buch zu veröffentlichen?
Dass ich das Buch veröffentlichen wollte, wusste ich von Anfang an. Zwischendurch habe ich mit mir gerungen, ob ich es bei dem unveröffentlichten Manuskript belassen sollte, da es doch sehr persönlich ist, auch wenn der neutrale Leser das nicht wissen mag. Aber ich bin froh, dass ich es gemacht habe. Es war für mich wie eine Art Abschluss mit Vergangenem.
Woher kam die Idee/die Inspiration zu Ihrem Buch?
Wie gesagt: Eigene Erlebnisse. Mehr möchte ich dazu nicht äußern.
Haben Sie bereits ein neues Buch in Planung?
Ich schreibe aktuell an einem neuen Werk (unabhängig vom ersten Buch).
Falls ja: Können Sie schon etwas darüber verraten?
Da ich selbst als Intensivpflegerin in der außerklinischen Beatmung arbeite, kam mir eine spontane Idee: Man ist pflegebedürftig und auf externe Hilfe angewiesen. Man holt sich eine fremde Person ins Haus, die, ausgestattet mit ihrem Examen, von nun an für einen sorgen soll. Man vertraut dieser Person, denn sie leistet gute Arbeit. Doch wer ist dieser Mensch eigentlich? Und was ist, wenn man sich in den letzten Stunden seines Lebens den Teufel ins Haus geholt hat?
Wo schreiben Sie am liebsten?
Ich schreibe am liebsten in kleinen Cafés oder Bars, vor allem in Holland und Belgien, wo ich gelegentlich eine kreative Auszeit nehme. Ich mag es, wenn um mich herum Trubel ist, dann kann ich mich paradoxerweise besser konzentrieren. Ansonsten schreibe ich abends in meiner Wohnung in Bonn.
Haben Sie bestimmte Schreibrituale?
Ich schreibe vorzugsweise abends, wenn es draußen dunkel ist. Ich mache mir dazu jede Kerze und Lichterkette in meiner Wohnung an, da die gemütliche Atmosphäre mich inspiriert. Oftmals suche ich allerdings auch Orte zum Schreiben auf, die den jeweiligen Szenen ähneln, welche ich gerade schreibe. Außerdem höre ich beim Schreiben immer klassische Musik, vorzugsweise Klavier. Das Stück »Claire de lune« von Claude Debussy hat mich gerade beim zweiten Buch sehr inspiriert und wird auch eine kleine Nebenrolle erhalten.
Was lesen Sie selbst gerne für Bücher?
Unterschiedlich. Am liebsten oder eher gesagt am häufigsten lese ich Thriller, da es das Genre ist, in welchem ich mich selbst auch bewege. Ich lese auch sehr gerne in Englisch verfasste Werke. In der letzten Zeit habe ich jedoch bewusst meine Komfortzone verlassen und lese klassische oder auch einfach alte Werke. Ich liebe alte Sprache, denn leider sterben so viele Begriffe mittlerweile aus und ich würde sie wieder gerne mit neuem Leben erwecken.
Was ist Ihr Lieblingsbuch?
Tatsächlich kein Thriller, sondern »Briefe einer Unbekannten« von Stefan Zweig. Diese Novelle hat mich tief bewegt und inspiriert.
Welches Buch liegt aktuell auf Ihrem Nachttisch?
»Das Bildnis des Dorian Gray« von Oscar Wilde.
Haben Sie manchmal Schreibblockaden? Was tun Sie, um diese zu lösen?
Ich würde lügen, wenn ich diese Frage verneinen würde, allerdings habe ich eine für mich gute Lösung gefunden. Es gibt Momente, in denen bin ich äußerst kreativ und an anderen Tagen wieder nicht. Ich versuche auf meinen Körper zu hören. Was er mir sagt. Manchmal schreibe ich an einem Tag nur einen Satz und an einem anderen Tag zwei Kapitel. Das ist in Ordnung, denn auch kleine Schritte bringen einen nach vorne. Wenn man Leistung erzwingt, dann ist das Ergebnis meist nicht zufriedenstellend.
Das Errichten meines Schreibambientes sorgt meist schon dafür, dass ich Ideen erhalte.
Was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit?
Ich spiele Klavier, singe und produziere Musik, zudem liebe ich es in die Natur zu gehen. Lange Wanderungen mit ausgeschaltetem Handy. Mit mir selbst alleine sein.
Und gelegentlich treffe ich mich mit Freunden zum Essen oder mal auf einen Cocktail in der Stadt.

Dieses Interview darf unter Angabe der Quelle (Karin Fischer Verlag 2023) verwendet werden.