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Natusch, Karl

Karl Natusch wurde 1926 in Kirchhain, einem kleinen Städtchen in der südlichen Mark Brandenburg geboren. Während seiner Schulzeit war ab der 5. Klasse auch die Zugehörigkeit zum Jungvolk, der Jugendsektion in der Hitler-Jugend, obligatorisch. Mit fünfzehneinhalb Jahren begann die strenge militärisch-seemännische Ausbildung bei der Kriegsmarine. Hier waren Gehorsam, Pflichterfüllung, Disziplin sowie Patriotismus neben dem Erlernen der Nautik angesagte Zielsetzung. 1943 war geschultes Personal für den Fronteinsatz dringend notwendig, und somit wurde das Gros der Kadetten der U-Boot-Waffengattung zugeteilt. Nach einer gründlichen Ausbildung an Bord und einer speziellen Weiterbildung kam es jedoch nicht mehr zum Fronteinsatz. Eingesetzt war man in den letzten Kriegsmonaten als Infanterist gegen die vorrückenden englischen Invasionstruppen.
Nach dreimonatiger englischer Kriegsgefangenschaft konnte die Verfrachtung in die Sowjetzone verhindert werden und mit Finessen für Wiesbaden (amerikanische Besatzungszone) eine Zuzugsgenehmigung erwirkt werden, mit der Bedingung, Schornsteine zu reinigen.
In den ersten Nachkriegsjahren ging es vorrangig ums bloße Überleben. Nach einer Lehre als Textilfärber folgte ein Studium an der Textilingenieurschule Krefeld. Es erfolgte im Anschluss die Übernahme leitender Positionen in Lohnbetrieben und Tuchfabriken im Bundesgebiet und dann in Südafrika zur Zeit der Rassentrennung, wo es eine besondere Herausforderung war, mit vielen Analphabeten und unter den herrschenden Rassengesetzen zu arbeiten.
Für ein Chemiewerk in der Schweiz führte er daraufhin erfolgreich das Technische Marketing in allen neun osteuropäischen, sogenannten sozialistischen Ländern (inkl. Albanien und Sowjetunion) während der Breschnew-Ära, also direkt nach Stalins Tod, und anschließend in den weiträumigen US-Staaten durch. In allen fünf Erdteilen wurden Agenturen und neue Interessenvertreter besucht sowie in großen Textilwerken neue Produkte und Technologien eingeführt.
Während all der Jahre wurde auch an die Nestwärme der zuletzt vierköpfigen Familie gedacht. Regelmäßig wurden die Eltern, die Großeltern und Bruder Willi mit Familie in Ostdeutschland besucht. Alljährlich konnte unserem Alpin-Abfahrtslauf-Hobby in Colorado, Montana, in den kanadischen Rockies oder auch an schönen Orten in den Alpen gefrönt werden.
Mehrere herrliche Reisen wurden auch per Schiff durch die Karibik mit ihren bunten Inseln, durch den Panama-Kanal bis nach Kap Horn sowie Camping-Mobil-Fahrten nach Alaska oder rund um die Südinsel von Neuseeland unternommen. Erwähnenswert ist auch noch das faszinierende Inselspringen in Hawaii. Auf den Reisen war die Begegnung mit den mannigfaltigen Menschengruppen, deren Denkweisen und Kulturen in den verschiedenen politisch-wirtschaftlichen Systemen und mit ihren unterschiedlichenreligiösen Ansichten und Gebräuchen immer wieder faszinierend.