Ein Morgen am See Gedichte

Brehm, Emil

Ein Morgen am See

Der Morgen ist noch kühl
Kein Lüftchen weht
Und wie ein Spiegel liegt der große See
Und über ihm spannt sich des Himmels Blau
Will spiegeln sich in ihm wie eine schöne Frau
Ein leichter Dunst verwehrt ihm noch die Sicht
Doch er muss warten, bis das Tageslicht
Den Schleier wegzieht von dem Silbergrau

Im Westen steht noch blass der Silbermond
Er hat die Nacht erhellt mit seinem milden Glanz
Hat Liebende belauscht, jetzt muss er gehen
Und kann nicht warten auf der Sonne Rot
Zieht weiter jetzt in dunklere Gefilde
Wird über andren Ländern, andren Liebespärchen stehn
Und niemand wird erfahrn, was er gesehn

Doch dann im Osten, an des Ufers Saum
Färbt sich der Himmel rosarot
Und auch der See, ein rosaroter Traum
Durch ferner Pappeln Zweige taucht jetzt auf
Die Sonnenscheibe flammend rot
Steigt höher jetzt, beginnt zu glühn
Und an des Horizontes Saum
Verwandelt sich die Welt
In einen goldnen Traum
Und wie verzaubert seh ich zu

Ein Schwan, schneeweiß und stolz, zieht seine Bahn
Am Ufer sammeln viele Gänse sich
Und immer mehr wird’s täglich geben
Die Sehnsucht nach des fernen Südens Licht
Weckt ein geheimnisvolles Regen.
Über den See haben der Sonne Strahlen
Ein breites goldenes Band gelegt
Ich tauch hinein und gleit in ruhigen Zügen
Glücklich hinaus, dem Feuerball entgegen

Über den Autor

Autor eines Gedichtbandes im deutschen lyrik verlag, erschienen im Januar 2019. Teilnahme an der Anthologie »Lyrik und Prosa unserer Zeit« des Karin Fischer Verlags.

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