Ernst Haeckel Der naturwissenschaftliche Monist und Philosoph,
evolutionäre Humanist und Kirchenkritiker
im »Gespräch« mit Winfried Krakau
zu Fragen unserer Zeit

Krakau, Winfried

Ernst Haeckel ist, aufbauend auf Charles Darwin, der Begründer einerumfassenden monistischen Evolutionstheorie im Deutschland des 19. Jahrhunderts. Wovor Darwin zunächst noch zurückschreckte, die Ausdehnung der Evolutionstheorie auf das ganze Universum und den Menschen, verfolgte Haeckel mit großem Mut gegen viele Anfeindungen, vor allem von Seiten der Kirchen und religiös verblendeten Professoren. Seine heute weitgehend bestätigten Positionen zum Verständnis kosmischen Geschehens und zum Wesen des Menschen »diskutiert« der Autor mit Haeckel auf der Grundlage seiner Werke. Die Konsequenzen der monistischen Einheit von Materie, Energie und Information als drei Seiten der von Haeckel so genannten unteilbaren Substanz werden dabei herausgearbeitet. Daraus ergeben sich weitreichende Folgerungen, was den gesellschaftlichen Zusammenhang der Menschen angeht: Privatisierung der Religionen, Trennung von Kirche und Staat, Systeme der gerechten Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums und der Bildung. Die Frage von Willensfreiheit und Verantwortung des Individuums – nicht vor Gott, sondern vor seinesgleichen und vor allem Leben – wird neu gestellt.

Über den Autor

Winfried Krakau, geboren 1929 in Noßwitz, bei Glogau in Schlesien, kam 1945 als heimatvertriebener Volontärkartograph nach Luckau/NL und bestand dort 1950 das Abitur. Er studierte in Potsdam Psychologie, Philosophie, und Pädagogik. Politische Kontroversen führten 1952 zur Relegation. Im Vermessungsamt Brandenburg und dem Folgebetrieb Kartographischer Dienst begann daraufhin sein beruflicher Lebensweg als Kartograph. Durch Fernstudien bildete er sich zum Ingenieurkartographen und Diplomingenieur fort und wurde schließlich als Lehrausbilder, Brigadeleiter, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Ingenieur für Rationalisierung und Redakteur beschäftigt. Er arbeitete im Bereich topographischer und thematischer Karten an deren Herausgabe, Gestaltung und Technik. Seine Promotion zum Dr.-Ing. erfolgte im Jahre 1977 zur Problematik von Zeichensystemen bei der Abbildung territorialer Strukturen. Nach der Wende wurde er Abteilungsleiter Kartographie im Landesvermessungsamt Brandenburg. Zahlreiche Artikel zu kartographischen Fragen erschienen in der Fachpresse. Seine außerberuflichen Studien betrafen die Philosophie der Ideologien und geschlossenen Gesellschaftssysteme, insbesondere die der Religionen. 2007 erschien sein Buch »Vernunft contra Glaube. Offenbarungen der Vernunft, Weltverständnis und Moralbegründung durch Nachdenken«. Hier entwickelte er ein konsequent evolutionär-monistisches Welt- und humanistisches Menschenbild als Gegenentwurf zum Dualismus von Hans Küng in »Der Anfang aller Dinge«.

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