Gottfried
oder Im Dunst des Verdachts Kurze Geschichten

Bräuel, Ulrich

Gottfried hat keine Adresse. Er ist nicht erreichbar wie normale Bürger. Er ist eine abstrakte Figur, ein Jedermann in unserer Gesellschaft, der von einem sozialen Prozess getroffen werden kann, den wir als den unbegründeten Verdacht kennen. Er lässt den Betroffenen in den Augen anderer als einen Menschen erscheinen, der vielleicht oder bestimmt unehrenhaften Tuns schuldig ist, das er in Wahrheit nicht begangen hat. Das kann mannigfache Ursachen haben, zum Beispiel gezielt in Gang gesetzt worden sein, um jemandem Schaden zuzufügen, oder schiere Tratschsucht und anderes mehr. Auch Missverständnisse können dazu führen. Ein solcher Prozess macht vor niemandem Halt. Die zum Schutz davor berufene Straf-Justiz kommt mit ihren hölzernen Händen nur selten zum Zugriff. Oft, weil der Betroffene von den laufenden Verdächtigungen gar nichts erfährt, vielfach auch, weil ein verantwortlicher Verursacher nicht zu ermitteln ist. Die Geschichten dieses Bandes eröffnen einige kurz gefasste Einblicke in typische Geschehensabläufe und Ursachen dieses sozialen Phänomens.

Über den Autor

Ulrich Bräuel, Dr. jur., geb. 1930 in Danzig-Langfuhr, war jahrzehntelang Rechtsanwalt und Notar in Westberlin. In den vergangenen Jahren hat er mehrere Bücher geschrieben und als Mitautor und Mitherausgeber eine eingehende wissenschaftliche Kritik an der Verurteilung des letzten deutschen Bischofs von Danzig durch ein polnisches Gericht im Jahre 1946 publiziert. Die Schrift fand große Beachtung in der Fachwelt und wurde in bedeutende Bibliotheken aufgenommen, so zum Beispiel von der Humboldt Universität/Berlin, der Polnischen Akademie der Wissenschaften/Gdansk, der Universität Cambridge, von der Library of Congress/Washington und vom Vatikan.

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