Lebenszug Gedichte · Gedanken · Gefühle

Herzog, Ditha

Ich sehe den Zug der Kindheit
Stehend auf der Brücke den Dampf umarmen
Meine Gedanken vertraute ich dem dichten Qualm
Meine Opposition schrie ich hinaus
Meinem Lebenszug habe ich die Weichen gestellt
Manchmal, unwissentlich, wurde er gelenkt
Ich lenke weiter in Erwartung
Lenke ohne Helfer, rettende Hand
Der Zug der Jugend in die Gegenwart
Abzweigungen übersehen, wissentlich, unwissentlich
Oft habe ich die Schienen verlassen
Stand einsam auf einem Bahnsteig
Alleine auf einsamer Strecke
Rollt der Lebenszug stetig weiter
Keiner warnt mich vor der nächsten Kurve
Keiner hält mich an, warnend, schützend
Alleine im Lebenszug zieht die Welt vorbei
Landschaften hinter staubigen Fenstern
Der Zug in die Zukunft wird langsamer von Jahr zu Jahr
Stetig verfolgt er sein Ziel – dem Ende entgegen
Die Ewigkeit umhüllt mich bald – sehr bald

Über den Autor

Ditha Herzog, geb. 1951 in Bad Saarow/Mark, seit 1955 in Westdeutschland. Gymnasium, danach Ausbildung in der Juwelen- und Uhrenbranche, in der die Autorin bis zur Rente arbeitete. Seit 25 Jahren lebt sie in Oberbayern. Dem Schreiben von Gedichten, Geschichten und Märchen widmet sich die Autorin seit 1963. Seitdem Leidenschaft für das geschriebene Wort und das Malen (Unterricht bei einer Lehrerin der Folkwangschule Essen in Ölmalerei, Aquarell- und Temperatechnik). 2008 erschien ihr Tierroman »Budapester und Haferlasche«. Veröffentlichung von Gedichten in verschiedenen Anthologien und Zeitungen.

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