Liebe Kathrin! Geschichten, die die Malerei schrieb

Gehriger, Rosmarie

Bilder, und ihre Maler, lernen wir ja meist an den Vernissagen kennen. Da geht man denn umher, lässt das Auge über Wände, über Besuchergruppen, Titelnamen und Preislisten schweifen, grüßt nach rechts und links, trägt sein Glas vor sich her. Und hat keine Ahnung! Natürlich, es gibt viel genutzte Aussagen. Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar – das ist eine von ihnen. Trotzdem – wir haben doch meist keine Ahnung davon: Wo sind denn die Bilder, bevor sie gemalt werden? Zu wem suchen sie den Weg, wenn sie einmal da sind? Wer ist es, der ihnen ihre Farben, ihre Form gibt? Gewiss – ich und die Farbe sind eins. Ich bin Maler – da wäre gleich das nächste Zitat zur Stelle. Rosmarie Gehriger zitiert nicht. Sie erzählt sich selber. Sie hebt ein wenig den Zipfel des Vorhangs, hinter dem unsichtbar liegt, wovon wir meist keine Ahnung haben. Unruhe – Schlaf – Träume – Lichtengel – Sulam – Josu – die Brüder Kumulus. Sie kennen sie nicht? Eben. Wovon wir meistens nicht wissen – davon ist in diesem Buch die Rede. Es ist davon die Rede, wie der Entschluss reift, sein Leben der Kunst zu widmen. Welche Scheidung der Geister das bewirkt. Wie das eigne Herz sich an die Oberfläche emporarbeitet – ein Karfreitags-, ein Ostererlebnis. Wie Grenzen einschmelzen. Wie dadurch Menschen zueinander den Weg finden. Wie Tod, Krankheit, Offenheit ins Leben treten, aus dem sie nicht mehr ausgegrenzt sind. Gewiss, Zitate dazu gäbe es: Diesseitig bin ich gar nicht fassbar, wir hätten das am Schnürchen. Hier aber haben wir es in der Hand.

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