nachtschwarznuancen gedichte

Orlikowsky, Thorsten

manche sagen 47 schwarztöne seien un-
serem blick vergönnt | manche sagen zu
ihnen psalmen der nacht | manche sagen
funkenzeichen blieben darin kalt
manche sagen sie seien schattenscharf
geschlitzt | manche sagen schatten blähten

unter ihrem schutz die nüstern | manche sa-
gen unsegen leiste offenbarungseid in ihnen

manche sagen ihre dunklen tränen
währten augenblicke nur | manche sagen dies
sei gewollt | schwarz sagen andere sei keine
farbe nur ein gedankenspiel | mehr nicht

Über den Autor

Thorsten Orlikowsky, geb. in Süddeutschland, studierte in Tübingen Medizin und arbeitete nach seiner Facharztausbildung zum Kinderarzt in der dortigen Universitätsklinik. Nach einem knapp dreijährigen Forschungsaufenthalt in New York beschäftigt er sich wissenschaftlich mit den Besonderheiten des Immunsystems bei Neu- und Frühgeborenen, woraus zahlreiche Fachpublikationen entstanden sind. Seit 2008 leitet er die Neonatologie am Universitätsklinikum Aachen. »Doch fühlen, fiebern, forschen, hoffen – das Dasein blieb nach oben offen« (aus: »Bilanz mit ausgefransten Rändern«). Im deutschen lyrik verlag (dlv) erschienen bereits Thorsten Orlikowskys Lyrikbände »zeitsplitter« (2015),»spiegelstimmung leicht verzerrt« (2016),»halbtraumfarben« (2017) und »nachtschwarznuancen« (2018).

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