zeitsplitter gedichte

Orlikowsky, Thorsten

wenn ich’s von innen aus betrachte:
die zeit zersplittert, splintert zeichen,
mir eine scherbe zu – an zeitlichkeit.
die niemals wohl erschaffen war,
nur sinnens sich erfahrbar macht.
als neuzeitsplitter halt ich heut
den zeitkristall in meinem sinn.
sinn zieht, zurrtzerrt und spiegeldreht ihn,
will konserviern und dicht fixiern,
in meine lebensdimension reindrücken.
und so gewinnt, was niemals wirklich war,
ein kristalliner scherbendiamant an wert,
als entdimensionierter tetraeder.
gepresst im engen innenraum der sinne,
in ausgelegten träumen meines geists.

Über den Autor

Thorsten Orlikowsky, geb. in Süddeutschland, studierte in Tübingen Medizin und arbeitete nach seiner Facharztausbildung zum Kinderarzt in der dortigen Universitätsklinik. Nach einem knapp dreijährigen Forschungsaufenthalt in New York beschäftigt er sich wissenschaftlich mit den Besonderheiten des Immunsystems bei Neu- und Frühgeborenen, woraus zahlreiche Fachpublikationen entstanden sind. Seit 2008 leitet er die Neonatologie am Universitätsklinikum Aachen. »Doch fühlen, fiebern, forschen, hoffen – das Dasein blieb nach oben offen« (aus: »Bilanz mit ausgefransten Rändern«).

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